Wie können wir weiter wachsen? – ein grosses Thema an der Generalversammlung von Wohnbaugenossenschaften Zürich

An der 107. Generalversammlung von Wohnbaugenossenschaften Zürich trafen sich fast 100 Vertretende gemeinnütziger Bauträger aus dem Grossraum Zürich und neu auch aus weiten Teilen des Kantons Aargau im Auditorium des Landesmuseums in Zürich. Ebenfalls anwesend waren Vertreterinnen und Vertreter der kantonalen und Stadtzürcher Verwaltung. Der Anlass diente auch dem Networking untereinander und dem Austausch zu verschiedenen aktuellen Themen. So wurden die Vorlagen der bevorstehenden Volksabstimmungen auf Landes- und Kantonsebene sowie die eine oder andere kommunale Vorlage diskutiert.

Ansprache von Andreas Wirz
Andreas Wirz, Präsident des Regionalverbands, begrüsste die Anwesenden – nebst den Vertreter:innen der Mitgliedsgenossenschaften – insbesondere Richard Fiereder, Leiter der kantonalen Wohnbauförderung WBF, Philippe Koch, Delegierter Wohnen und Karin Vasella-Kuhn von der Fachstelle Wohnen der Stadt Zürich.
Anschliessend wies er auf die verschiedenen Abstimmungsvorlagen hin, die den gemeinnützigen Wohnungsbau betreffen. Speziell ging er auf die kantonale Wohneigentums-Initiative des Hauseigentümerverbands ein und verdeutlichte die drastischen Konsequenzen – Gemeinnützige würden die Hälfte ihrer «geförderten» Wohnungen verlieren – für die Wohnbaugenossenschaften, aber auch für die Bewohnenden städtischer Wohnungen, sollte die Initiative angenommen werden.


Andreas Wirz warnte in seiner Begrüssungsrede nochmals vor der zur Abstimmung stehenden Wohneigentums-Initiative.

Dann ging er auf das Vorgehen hinsichtlich der politischen Arbeit des Verbands ein. So habe der Verband zahlreiche Vernehmlassungen unter seinen Mitgliedern durchgeführt, verschiedenste Themen mit ihnen diskutiert und dann Stellung in ihrem Sinne bezogen. Er hielt fest, dass die Mitglieder des Verbands vielstimmig und sich manchmal nicht in jedem Punkt einig seien. Dies sei wichtig und richtig so. Und der Verband versuche, daraus Positionen zu entwickeln und sich zu engagieren. Er forderte die Anwesenden auf, sich weiterhin zuzuhören und sich Gehör zu verschaffen.

Beim Thema Wachstumsabsichten und -ziele hob er hervor, dass sich der Verband bemühe, geeignete Opportunitäten zu finden und diese an die Mitglieder zu vermitteln. Es sei aber wichtig, dass die Mitglieder diese Angebote auch als Gelegenheiten wahrnähmen.

Jahresbericht und Jahresrechnung 2025
Dass 2025 für die Gemeinnützigen ein wohnbaupolitisch intensives Jahr war, machte auch der Jahresbericht dazu deutlich. Andreas Wirz strich einige Themen heraus. Besonders hob er nochmals das grosse Engagement des Verbands und zahlreicher seiner Mitglieder bei der leider verlorenen VKR-Initiative hervor. Er wies aber auch auf die vielen individuellen, in der Folge durchaus erfolgreichen Gespräche mit der kommunalen Politik und den Verwaltungen hin, die man künftig noch weiter vertiefen wolle. Schliesslich ginge es darum, die Mitglieder des Verbands zu stärken und deren Rahmenbedingungen zu verbessern.

Dass die Rahmenbedingungen für die Verbandsarbeit gut sind, zeigen auch die Zahlen der Jahresrechnung: Die Finanzierung ist breit abgestützt, die Aufnahme neuer Mitgliedsgenossenschaften aus dem Kanton Aargau war erfolgreich und der Zuwachs bei den Wohnungen auf 74’764 bei 295 Mitgliedern (Stand 2025) sehr erfreulich.

Entwicklungen für Vorstand 2027+ sorgfältig aufgleisen
Andreas Wirz informierte über die beiden Rücktritte aus dem Vorstand von Wohnbaugenossenschaften Zürich. Valérie Anouk Clapasson trat bereits im letzten Dezember aufgrund einer persönlichen Neuausrichtung zurück. Und zur GV 2026 trat nun – wie bereits an der letzten GV angekündigt – auch die langjährige Vorständin Soziales, Bigi Obrist zurück. Diese Veränderungen hatte der Vorstand zum Anlass genommen, sich über die längerfristige Zusammensetzung der Verbandsführung Gedanken zu machen, die Absichten zu weiteren Amtszeiten der aktuellen Vorstände zu klären und im Spätsommer 2026 die Suche nach neuen Kandidierenden für die Erneuerungswahlen 2027 breit auszuschreiben.
Im Sinne einer ersten Richtungswahl und zur Ergänzung des Vorstands für die laufende Amtsperiode schlug der Vorstand Faust Lehni (ehem. Geschäftsleitungsmitglied bei der ABZ) für das «Ressort Gesellschaft und Soziales» zur Wahl vor. Dieser wurde einstimmig gewählt.


Bild oben: Vorständin Stella Vondra verabschiedet Valérie Anouk Clapasson (links) und Bigi Obrist (Bildmitte)
Bild unten: der neu gewählte Vorstand Faust Lehni

Good Governance – Betrugsprävention und -bekämpfung
Geschäftsführer Stefan Schneider informierte die Mitglieder über den aktuellen Stand zu den Governance-Massnahmen und den Dialog bezüglich der Betrugsprävention und -bekämpfung in der gemeinnützigen Branche.
Er wies darauf hin, dass es in den letzten 15 Jahren lediglich zu drei Fällen von Betrug durch leitende Personen in gemeinnützigen Wohnbauträgern gekommen sei. Diese seltenen Fälle hätten aber zu hunderten von Pressemeldungen geführt, die letztlich dem Ansehen der ganzen Branche schadeten. Deshalb habe man eine Arbeitsgruppe gegründet, die das Thema eng begleitet. Auch wurde intensiv mit den Mitgliedern über mögliche Massnahmen zur Prävention diskutiert. Dabei habe sich der Weg für das weitere Vorgehen herauskristallisiert. Entsprechend nahm die Generalversammlung den Antrag des Vorstands an, einen Lösungsansatz für ein Hinweisgebersystem zu evaluieren.


Nahezu einstimmig wurde der Antrag, ein Hinweisgebersystem für die Sicherstellung der Corporate Governance der gemeinnützigen Branche zu evaluieren, angenommen.

Im laufenden Jahr die Weichen für die Zukunft stellen
Geschäftsführer Stefan Schneider stellte in der Folge einige wichtige Projekte des Verbands vor. So informierte über den Stand des Projektes «ReBrand», das den Neuauftritt von Wohnbaugenossenschaften Schweiz und seinen Regionalverbänden zum Ziel hat. Das neue Design und die neue Ansprache werden ab Januar 2027 sichtbar werden. Auch das Projekt «Datahub», im Zuge dessen wichtige Daten über die gemeinnützige Branche einfacher erhoben, leichter verknüpft und besser ausgewertet werden können, werde weiterhin vorangetrieben.
Ausserdem sprach er «Wachstum in Gemeinden» an – eine Initiative, die die bessere Vernetzung gemeinnütziger Bauträger in den Regionen untereinander und zu den lokalen Behörden und der Politik in der Agglomeration zum Ziel hat. Bereits im Juni und Juli 2026 werden an ersten Netzwerktreffen unter den gemeinnützigen Bauträgern im Glattal und im Limmattal erste wichtige Weichenstellungen stattfinden.


Philippe Koch, Delegierter Wohnen der Stadt Zürich, erläuterte die Überarbeitung des Programms Wohnen der Stadt Zürich.


Kurzer Input von Philippe Koch
Der Delegierte Wohnen der Stadt Zürich präsentierte den Zwischenstand des «Programm Wohnen», das zurzeit überarbeitet wird. Er hob hervor, das das für die Stadt Zürich im Fokus stehende Drittelsziel nicht einfach eine Zahl sei, sondern die Idee, dass sich breite Bevölkerungsschichten weiterhin Wohnraum in der Stadt leisten können – vor allem bei der aktuell stattfindenden Bestandserneuerung. Er zeigte auf, dass die Bevölkerung grösstenteils durch Personen mit hohem Einkommen gewachsen sei. Darum sei es auch wichtig, über den Zugang zu günstigem Wohnraum, also auch über die Kriterien der Wohnungsvergabe nachzudenken. Darum sei die Stadt Zürich einerseits dabei, die Erlasse zur Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaus zu überarbeiten und wolle andererseits kooperativ mit den gemeinnützigen Bauträgern ein Memorandum zu den Grundsätzen und Kriterien für die Vermietung und Nutzung von gemeinnützigem Wohnraum ausarbeiten.

Im Anschluss dankte Andreas Wirz im Namen des Verbands den Verantwortlichen der Förderstellen von Stadt und Kanton Zürich, wies auf die zahlreichen Anlässe des Regionalverbands hin und lud alle zum abschliessenden Apéro ein.

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