Der Verband Wohnbaugenossenschaften Zürich ist erleichtert über das klare Volksverdikt. Die Initiative war ein Angriffsprojekt auf den gemeinnützigen Wohnungsbau – und ist als solches erkannt worden.
Ein Projekt auf dem Rücken einkommensschwacher Haushalte
Die Initiative hätte eine starre 50/50-Quote festgeschrieben: Bei staatlich geförderten Wohnbauprojekten wäre die Hälfte aller Wohnungen zwingend als Wohneigentum zu erstellen gewesen. Das klingt harmlos – ist es aber nicht. Besonders perfide war die Bestimmung, wonach bereits die Erneuerung eines Baurechtsvertrags als «staatliche Förderung» gegolten hätte. Genossenschaftliche Wohnbauträger wären bei der Baurechtserneuerung gezwungen gewesen, die Hälfte ihrer Wohnungen zu verkaufen oder auf die Erneuerung zu verzichten. In der Konsequenz wären Tausende von Mieterinnen und Mietern mit mittleren und tiefen Einkommen aus ihren Wohnungen verdrängt worden.
«Die Wohneigentums-Initiative hätte die bewährte Partnerschaft von öffentlicher Hand und gemeinnützigem Wohnungsbau im Kanton Zürich fundamental in Frage gestellt», sagt Andreas Wirz, Präsident von Wohnbaugenossenschaften Zürich. «Die Förderung von Wohneigentum darf nicht auf Kosten von bezahlbaren Wohnungen für mittlere und tiefe Einkommen gehen. Das haben die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger heute richtig erkannt.»
Gemeinnütziger Wohnungsbau braucht nun Rückenwind
Das Nein zur Wohneigentums-Initiative ist ein wichtiges Signal – aber kein Grund zur Selbstzufriedenheit. Gleichzeitig hat die Stimmbevölkerung des Kantons Zürich die Wohnungsinitiative abgelehnt, welche den Kanton in die Pflicht genommen hätte, über Landabgaben an gemeinnützige Wohnbauträger einen Beitrag zur Linderung der Wohnungsnot zu leisten. Wohnbaugenossenschaften Zürich bedauert es, dass diese Chance verpasst wurde. Der Kanton Zürich leidet weiterhin unter einem gravierenden Mangel an bezahlbaren Wohnungen.
Die Zürcher Stimmbevölkerung hat in den vergangenen Monaten über mehrere wohnbaupolitischen Vorlagen abgestimmt und alle Anliegen verworfen. Die Gründe mögen unterschiedlich sein, doch es besteht sicherlich eine Skepsis gegenüber neuen wohnbaupolitischen Instrumenten. Wohnbaugenossenschaften Zürich fordert darum Kanton und Gemeinden auf, jetzt die bewährte Zusammenarbeit mit gemeinnützigen Wohnbauträgern zu stärken: durch Baurechtsabgaben zu fairen Bedingungen und durch eine kluge Verwendung öffentlicher Liegenschaften im Dienst der gesamten Bevölkerung.
14. Juni 2026